Welche weiblichen Archetypen lebte Dolly Parton? In ihrem Leben sind alle 7 sichtbar: das Mädchen aus den Bergen, die Liebende in Perücke und Strass, die Jägerin, die die Rechte an ihrem eigenen Lied behielt, die Weise Kriegerin hinter dem Bild der dummen Blondine, die Mutter ohne eigene Kinder, die Königin mit eigenem Grundbesitz und die Mystikerin, die durch eine schwere Zeit ging und danach anders zurückkam.

Am Dienstag ist Dolly Parton mit 80 Jahren in Nashville gestorben.

Als Kind sah sie in ihrem Ort eine Frau mit roten Fingernägeln, hohen Absätzen und tiefen Ausschnitten. Über diese Frau sagten alle, sie sei nichts als Abschaum. Dolly fand sie schön und beschloss, später genauso auszusehen. Sie hat diese Entscheidung nie zurückgenommen, obwohl ihr über Jahrzehnte geraten wurde, sich einfacher zu kleiden, damit sie jemand ernst nimmt.

Ihr Großvater war Pfingstprediger. In seiner Kirche stand sie mit 6 zum ersten Mal vor Publikum. Er bestrafte sie später für gebleichtes Haar und enge Kleidung, weil er sie deshalb auf einem falschen Weg sah. Sie hat dazu gesagt, sie sei bereit gewesen, den Preis zu zahlen.

Wer eine solche Entscheidung mit achtzehn schon hinter sich hat, wird sich später schlecht einordnen lassen. Sie lässt sich keinem der 7 weiblichen Archetypen zuordnen, weil sie mehrere davon gleichzeitig lebte.

Der Mantel und das Mädchen

Sie wurde 1946 als viertes von zwölf Kindern in einer Hütte ohne Strom und fließendes Wasser geboren. Mit 13 stand sie in der Grand Ole Opry. Am Tag nach dem Schulabschluss ging sie nach Nashville und noch am selben Tag lernte sie vor einem Waschsalon den Mann kennen, mit dem sie fast 60 Jahre verheiratet blieb.

Das Mädchen in einer Frau verlässt die bekannte Welt und betritt eine, deren Regeln sie noch nicht kennt. Meistens lässt sie dabei etwas zurück, das ihr peinlich ist.

Dolly hat die Armut in Tennessee nie aus ihrer Erzählung entfernt. Coat of Many Colors handelt von einem Mantel, den ihre Mutter aus Stoffresten zusammennähte und von den Kindern in der Schule, die darüber lachten. Aus dem Material, für das ein Kind sich schämen soll, wurde eines ihrer bekanntesten Lieder. Die Armut wurde Teil ihres Vermögens, im wörtlichen Sinn.

Offen bleibt, ab wann dieses Mädchen genau wusste, was das Publikum von „Dolly“ erwartet und wie viel Spielraum ihr danach blieb.

Die Erscheinung und die Liebende

Blondes Haar, Strass, Nägel, Absätze, Perücken. Sie sagte, es koste eine Menge Geld, so billig auszusehen. Sie sprach offen über Schönheitsoperationen. Sie trug Make-up im Bett, für den Fall, dass nachts etwas passiert.

Die Liebende in einer Frau will wissen, wo sie lebendig ist und bezahlt dafür oft mit dem Blick der anderen. Ihr Wert beginnt daran zu hängen, ob jemand hinsieht.

Dolly hat diesen Blick bedient und gleichzeitig ausgehebelt. Ihre Erscheinung war so übertrieben, dass sie sich der Bewertung entzog. Eine Frau, die weiß, dass ihr Aussehen künstlich ist und es trotzdem als ihres bezeichnet, lässt sich schwer beschämen.

Die Spannung darin blieb ihr ganzes Leben bestehen. Die Freude an der eigenen Erscheinung kann in die Verpflichtung kippen, diese Erscheinung nie wieder abzulegen. Eine Frau, die 60 Jahre in vollem Ornat aufgetreten ist, hat irgendwann keine Version von sich mehr, die ohne auskommt.

Die Nacht vor der Aufnahme: die Jägerin entscheidet

1967 holte Porter Wagoner sie in seine Fernsehshow und gab ihr eine nationale Bühne. 7 Jahre lang war das Duo erfolgreich. Er produzierte ihre Platten und stellte sie Millionen Menschen vor. Anfang der 70er Jahre wollte sie allein weitermachen und er wollte sie nicht gehen lassen.

Statt einer weiteren Auseinandersetzung schrieb sie ein Lied. I Will Always Love You ist ein Abschied an einen Mentor. Sie sang es ihm vor und er weinte. 1974 stand es auf Platz 1.

Die meisten Frauen brauchen einen Grund, um zu gehen. Sie machen den anderen zum Fehler, weil sie sonst keine Erlaubnis haben, sich selbst zu wählen. Dolly ging und behielt die Zuneigung. Der ganze Text besteht aus der Anerkennung dessen, was er ihr gegeben hat und aus der Ankündigung, dass sie trotzdem geht.

Kurz darauf wollte Elvis Presley das Lied aufnehmen. Die Aufnahme war arrangiert, sie war eingeladen, im Studio zuzusehen. In der Nacht davor rief sein Manager an und erklärte, Presley nehme nichts auf, ohne die Hälfte der Verlagsrechte zu bekommen. Sie sagte, das sei das wichtigste Copyright ihres Verlags und lehnte ab. Die Aufnahme fand nicht statt. Sie hat später erzählt, sie habe die ganze Nacht geweint.

Achtzehn Jahre danach nahm Whitney Houston das Lied für einen Film auf. Es wurde die meistverkaufte Single, die je von einer Sängerin veröffentlicht wurde und Dolly besaß die Rechte daran.

An dieser einen Nacht arbeiten mehrere Kräfte gleichzeitig. Die Liebende hätte sich vom Glanz des größten Namens der Branche nehmen lassen. Das Mädchen hätte die Einladung als Beweis gelesen, endlich angekommen zu sein. Die Jägerin sagte nein. Die Weise Kriegerin wusste, warum. Die Königin hielt die Konsequenz aus, ohne sich später dafür zu rechtfertigen.

Sie hat geweint und trotzdem nur unterschrieben, was sie unterschreiben wollte.

Das Buch, das trotzdem kommt: die Mutter ohne Kinder

Einer ihrer frühen Songs hieß Dumb Blonde. Über sich selbst sagte sie, sie sei ein Arbeitspferd, das aussieht wie ein Schaupferd. Die Weise Kriegerin in einer Frau baut ihre Klugheit in ihr Leben ein, statt sie vorzuzeigen. Sie hat das Bild, das andere von ihr hatten, jahrzehntelang bedient und dabei ein Unternehmen aufgebaut, dessen Umfang die wenigsten überblickten. Verlagsrechte, ein eigenes Label, Filme, Bücher, ein Freizeitpark, eine Stiftung.

Sie hatte keine Kinder. Sie hatte Endometriose und Mitte 30 eine teilweise Gebärmutterentfernung.

1988 gründete sie eine Stiftung für ihren Heimatbezirk Sevier County. 1991 startete sie ein Programm gegen Schulabbrüche, bei dem Schüler Paare bildeten und beide Geld bekamen, wenn beide den Abschluss schafften. Die Abbruchquote sank von 35 auf 6 Prozent. 1995 begann sie, jedem Kind in diesem Bezirk jeden Monat ein Buch zu schicken. Der Anlass war ihr Vater, der weder lesen noch schreiben konnte und den sie für den klügsten Menschen hielt, den sie kannte. Kurz vor seinem Tod habe er ihr gesagt, das sei das Wichtigste, was sie je gemacht habe.

Aus einem Bezirk wurden 5 Länder und über 300 Millionen Bücher.

Die Mutter in einer Frau bindet sonst gern. Sie gibt und rechnet damit, dass jemand es merkt. Das Kind, dem hier ein Buch geschickt wird, kennt Dolly Parton nicht und schuldet ihr nichts. Es bekommt sein Buch trotzdem.

Der Park mit ihrem Namen: die Königin

Der Park heißt Dollywood. Eine Welt mit ihrem Namen, gebaut in der Region, aus der sie kam, in einer Gegend, die vorher wenig zu bieten hatte. Sie hat ihre Herkunft nicht gerettet. Sie hat dort etwas hingestellt, das Löhne zahlt und den Angestellten später das Studium finanziert.

Die Königin in einer Frau beantwortet die Frage, wie sie ihr Leben führt. Bei Dolly wurde daraus eine Ökonomie mit Grundbesitz.

Der Preis dafür ist selten Thema. Eine Marke dieser Reichweite entsteht nicht zufällig. Die Frisur, der Akzent, die Witze über die eigene Erscheinung, die Zugänglichkeit, die politische Zurückhaltung. Sie erklärte, sie habe Publikum auf allen Seiten und halte ihre Ansichten deshalb weitgehend für sich. Die Presidential Medal of Freedom hat sie zweimal abgelehnt.

An einer Stelle hat sie diese Regel gebrochen. Sie sprach sich für die Ehe für alle aus, stellte sich gegen die Gesetze ihres eigenen Bundesstaats gegen trans Personen und sagte, in ihrer Familie und unter ihren Angestellten gebe es alles und sie urteile über niemanden. Wer richten wolle, betreibe damit schon das Geschäft der Sünde.

Eine Frau, die etwas Größeres repräsentiert als ihre jeweilige Stimmung, verliert einen Teil ihrer Spontaneität. Ab einem gewissen Punkt bestimmte sie vor allem eines: wie sie gelesen werden durfte.

Die Monate, in denen sie verschwand: die Mystikerin

Ihre erste Begegnung mit dem Unsichtbaren war laut und körperlich. In der Kirche ihres Großvaters gab es Zungenrede, Prophetie und Menschen, die während des Gottesdienstes schrien. Sie wurde mit zwölf getauft. Von diesem Glauben hat sie nie etwas zurückgenommen und den angstbasierten Teil hat sie irgendwann hinter sich gelassen.

Mitte der achtziger Jahre war sie für Monate weg. Nach der Operation folgte eine schwere Depression. Sie hat Jahre später öffentlich gesagt, dass sie in dieser Zeit nicht mehr leben wollte.

Da saß eine Frau im Zentrum ihres eigenen Erfolgs, deren bisherige Identität sie nicht mehr hielt. Der Körper hatte sich verändert. Die Möglichkeit eigener Kinder war beendet. Die Figur, die auf der Bühne stand, hatte mit dem, was in ihr vorging, nichts mehr zu tun.

Manche Frauen kommen aus so einer Zeit nicht zurück. Andere kommen zurück und sind danach jemand anderes.

In den Jahren nach diesen Monaten entstand die Stiftung, entstand das Buchprogramm, entstand der größte Teil dessen, was heute ihr Vermächtnis heißt. Über das Schreiben hat sie gesagt, Schmerz werde mit Abstand wieder zugänglich und lasse sich dann verwenden.

Eine Erfahrung wandert durch mehrere Kräfte, bevor daraus ein Werk wird. Die Mystikerin geht hinunter und sieht, was dort liegt. Die Liebende macht Schönheit daraus. Die Weise Kriegerin gibt der Sache eine Form. Die Mutter gibt sie weiter.

Ihr Mann Carl Dean blieb 60 Jahre außerhalb dieser Öffentlichkeit. Er ging nicht zu Preisverleihungen und gab keine Interviews. 2019 bekam er die Alzheimer-Diagnose. Sie hörte auf zu touren und war bei ihm, bis er im März letzten Jahres starb. Wenige Tage vor ihrem eigenen Tod sagte sie, sie habe ihre Gesundheit in dieser Zeit nicht behandeln lassen.

Die Frau, deren gesamtes Leben öffentlich war, hat eine einzige Sache vollständig privat gehalten und war am Ende dort.

Jolene

Das bekannteste Lied über Eifersucht der letzten 50 Jahre stammt von der Frau, die kaum jemand für gefährdet hielt. Anlass war eine rothaarige Bankangestellte, die Interesse an Carl zeigte.

In diesem Lied hat die Liebende Angst um ihren Wert, weil eine andere schöner ist. Die Königin hat Angst um ihren Platz. Das Mädchen bittet darum, nicht verlassen zu werden.

Die Sprecherin greift Jolene nicht an. Sie beschreibt ihre Schönheit ausführlich und bittet sie dann, ihn ihr zu lassen. So klingt eine Frau, die weiß, dass sie ersetzbar ist. Aus dieser Angst wurde ein Lied, das seither von hunderten Künstlerinnen und Künstlern aufgenommen wurde.

Was bleibt

Eine Frau, die alle diese Kräfte in sich zulässt, wird nicht einfacher. Sie wird widersprüchlicher. Sie kann weich sein, ohne machtlos zu werden und sie kann besitzen, ohne kalt zu werden. Bei Dolly Parton war das 60 Jahre lang öffentlich zu beobachten und die meisten haben es für einen Kostümwechsel gehalten.

Das Mädchen aus den Bergen hat sie mitgenommen. Es steht in ihren Liedern und in dem Bezirk, den sie versorgt hat.

Die Bücher werden weiter jeden Monat verschickt.

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Die 7 weiblichen Archetypen: Die Bausteine deiner Identitätsstruktur

Weiblicher Schatten: Was er ist und warum er dein Leben lenkt

Warum sich dein Leben wiederholt: Lebensmuster erkennen

Die 7 Archetypen, ihre Schattenformen und ihre reifen Formen sind in Seven Shades of You vollständig beschrieben.

Seven Shades of You

FAQ: Häufige Fragen zu Dolly Parton und den weiblichen Archetypen

Welche weiblichen Archetypen zeigen sich im Leben von Dolly Parton?

In ihrem Leben sind alle 7 weiblichen Archetypen sichtbar: das Mädchen, das aus den Bergen von Tennessee nach Nashville ging, die Liebende in Perücke und Strass, die Jägerin, die die Rechte an ihrem eigenen Lied behielt, die Weise Kriegerin hinter dem Bild der dummen Blondine, die Mutter, die über 300 Millionen Bücher an fremde Kinder schickte, die Königin mit eigenem Park und eigenem Grundbesitz und die Mystikerin, die durch eine schwere Zeit ging und danach anders zurückkam.

Warum lässt sich Dolly Parton keinem einzelnen Archetyp zuordnen?

Sie lebte mehrere Archetypen gleichzeitig und in voller Ausprägung. Eine Frau, die mit achtzehn entschieden hat, wie sie aussehen wird und diese Entscheidung sechzig Jahre lang gegen Widerspruch gehalten hat, ordnet sich später schlecht ein. In ihrer Biografie arbeiten mehrere Kräfte oft in derselben Situation nebeneinander.

Was macht die Jägerin in einer Frau?

Die Jägerin entscheidet und geht. Bei Dolly Parton zeigte sie sich in der Nacht, in der Elvis Presleys Manager die Hälfte der Verlagsrechte an I Will Always Love You verlangte und sie ablehnte. Achtzehn Jahre später nahm Whitney Houston das Lied auf und die Rechte lagen weiterhin bei ihr.

Was zeigt die Mystikerin in einer Frau?

Die Mystikerin geht nach unten und sieht, was dort liegt. Bei Dolly Parton waren das die Monate Mitte der achtziger Jahre nach ihrer Operation, über die sie Jahre später öffentlich gesprochen hat. In der Zeit danach entstanden die Stiftung, das Buchprogramm und der größte Teil dessen, was heute ihr Vermächtnis heißt.

Wie hängen die 7 weiblichen Archetypen mit weiblicher Identität zusammen?

Die 7 weiblichen Archetypen sind die Kräfte, aus denen weibliche Identität gebaut ist. Welche davon in einer Frau führen, welche zurückgehalten wurden und welche nie einen Platz bekommen haben, bestimmt, was sie wahrnimmt und was sich in ihrem Leben wiederholt. In Seven Shades of You sind alle 7 mit ihrer Schattenform und ihrer reifen Form beschrieben.